Mediation Veloweg und persönlicher Konflikt

Mir fiel in der Rolle einer Konfliktpartei bei dem Rollenspiel auf, dass ich nach dem Lesen der Rollenbeschreibung ersteinmal meine Rolle für diejenige mit den "vernünftigeren" Position hielt. Aber als ich die Version der anderen Konfliktpartei hörte, wurde klar, dass dies nicht die einzige valide Sichtweise auf die situation ist. Ein Aha-Moment, der wahrscheinlich für Teilnehmende einer Mediation ganz klassisch ist.

Mir fiel auch auf, wie positiv sich die ruhige und wohlwollende Art der beiden Mediatorinnen auf das Gemüt von uns Konfliktparteien auswirkte. Unsere Mediatorinnen schufen auch Vertrauen und Ruhe, indem sie sehr treffend paraphrasierten und uns Orientierung dazu gaben, wo wir gerade im Prozess sind.


Eine Konfliktsituation, die ich im letzten Jahr erlebt habe, spielte sich in meiner damals neu gegründeten WG ab. Ein Mitbewohner kam in die Küche und informierte uns, dass er immer alle Küchenutensilien aus Holz oder mit Holzteilen in die Spülmaschine tun werde, weil er keine Zeit habe diese Dinge abzuwaschen und es ein Mythos sein, dass es der Spülmaschine / Gläsern o.ä. schade. Er würde dann, wenn z.B. die Schneidbretter vom Waschen in der Spülmaschine abgenutzt seien, einfach neue kaufen. Ich erwiederte, dass ich es vorziehen würde solche Küchenutensilien par Hand abzuwaschen, weil ich unnötigen Verschleiss und Konsum vermeiden gerne vermeiden würde. Einige der Küchenuntensilien in der nun gemeinsamen Küche hatte ich schon lange gepflegt, um sie möglichst lange nutzen zu können. Ausserdem hatte ich gehört, dass Holz in der Spülmaschine einen Film auf Gläsern hinterlassen würde. Die Situation verhärtete sich relativ schnell. Er forderte Beweise für meine Aussagen und verhandelte sehr hart. Als wir ihn darauf ansprachen, dass eine so harte Verhandlung mit uns nicht nötig sei und wir in der WG lieber aufeinander zukommen würden, brach er das Gespräch ab, indem er sagte, er würde wütend, wenn wir weiter mit ihm über sein Vorhaben diskutierten.

Vor einer Mediation hätte ich vermutlich Freunden die Situation geschildert, um ein besseres Verständnis davon zu bekommen, wie die Situation so schnell eskalieren konnte und was meine Rolle dabei gewesen sein könnte. Ich hätte vermutlich auch schon über mögliche Lösungen nachgedacht, die die Interessen von mir und meinem Mitbewohner bezüglich der Spülmaschine vielleicht vereinen könnten.

Ich gehe davon aus, dass die Situation so schnell eskalierte, weil es nicht nur um die Geschirrspülmaschine ging. Wie ich später herausfand, war es diesem Mitbewohner sehr wichtig, gehört zu werden. Nach seiner Ansprache zu seinem Abwaschvorhaben hatte ich jedoch auch das Gefühl nicht gesehen zu werden. Gehör und Verständnis zu finden war also für uns beide ein grundlegendes Interesse in diesem Konflikt.


Kommentare

  1. Lieber Bastian
    Du hast deinen Aha-Moment im Rollenspiel super beschrieben. Ich denke auch, dass genau diese Erkenntnis in vielen Mediationen zum Tragen kommt und eine ganz andere Sicht auf das Problem werfen kann.
    Beeindruckend, wie du die WG-Situation im Nachhinein reflektieren kannst. Mich nimmt es natürlich jetzt wunder, wie ihr damals den Konflikt gelöst habt?
    Liebe Grüsse
    Rahel

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    1. Liebe Rahel, leider konnten wir in diesem und in vielen anderen Konflikten mit ihm keine Einigung finden und die WG hat sich deshalb nach wenigen Monaten aufgelöst.

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  2. Lieber Bastian. Dein Aha-Erlebnis ist sehr spannend. Was natürlich schön ist, ist wenn diese Partei sich das dann auch eingesteht und auch ein Verständnis für die andere Seite entwickelt. Das erfordert ja auch eine gewisse Offenheit. Beim Thema Geschirrspüler kommt mir grade noch in den Sinn, dass solche Dinge ja meistens auch viel weiter gehen, als nur die persönliche Meinung. Wie wurde man erzogen/geprägt? Wie hat man das vielleicht schon Jahrzehnte gemacht, auch die Eltern? Dann sind Meinungen vielleicht noch mehr verhärtet und jede/r weiss besser, "wie es gut funktioniert". Vielleicht ist das auch noch ein Thema: Umfeld/Erziehung etc. Liebe Grüsse, Melissa

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